Das  Schwarze  Meer   ( Lampedusa Dialog )

2014 

 

 
 
  Das schwarze Meer (2014) (Lampedusa Dialog)      
     
 
 
 

schau sprich nicht lass deine Gedanken fallen

ins tiefe Meer

bis auf den Grund

bilde den Bodensatz des Meeres

und zähle die Ertrunkenen

mit soldatischem Eifer

bis tausend Walgesänge

das Wasser vibrieren lassen

   

 

 

   

 

 

 

 

höre und schreibe dann

über die den Wassern entstiegene Seelen

frisch von Blumen

und Blütenstaub afrikanischer Gräber

schreibe auch

was der aus einem Krater entquollene Rauch

mühsam mit sich führt

   

 

 
 

höre auf die Stimmen

afrikanischer Grasebenen

die keinen Namen haben

sie fordern ein kraftvolles Leben

sie sind der Ursprung tausendfacher Liebesglut

das ist die wirkende Kraft der Afrikaner

 

     

 

 

 

     

ein Künstler ist immer dann am besten,

wenn er sich auf eigenes besinnt

so kann ich den Ursprung ergründen

die Geheimnisse

die von unseren Vätern an den Fluss getragen wurden

hebe all die Wasser dem Licht entgegen

befühle und prüfe dann die Bilder  

     
 

 

 

spürst du den Rosenduft

der nie erblühten Insel Lampedusa

sie ist ein Haus aus bleichen Augenlidern

wenn du am Meeresstrand

um deine Geheimnisse trauerst

dann begrabe dort nicht auch

das Feuer einer liebenden Seele

 

 


 

( Text:  Gerhard Multerer 2014)

(Bezugstext: Pablo Neruda)

(Photographie: Rainer Kowalski)

alle Rechte Gerhard Multerer