… wie weich sind doch die grünen Felder mit ihren Geschichten aus Honig und Blut die Märchen die der Balkan den traurigen Kindermenschen zuflüstert wie die Gezeiten der Adria die Erde beruhigt


 
 
  Jelena (2013)      
     
 
 
 

 

dort gibt es Frauen die im Rhythmus der Liebe über den Tod lachen und sich Girlanden aus vergossenen Tränen um ihre zarten Schultern binden ich liebte diese Seele und wagte nicht sie zu berühren und ich liebte diese Sehnsucht und das Bild eines jungen Gesichts der Westküste zugeneigt so wurdest du was du warst und was du bist Jelena die Frau die es nicht gibt ich habe sie mein ganzes Leben getragen als bunte Murmel in meinem Kopf unglücklich von Zeit zu Zeit weil diese Sehnsucht verborgen war in einer Menge leuchtender Sterne hinter dem Horizont

 

   

 

 

   

 

 

die Donau selbst hat ihre Stimme erhoben und wie ein Bewusstseinsstrom den Wahrheitskern durchs grobe Sieb in meinen Kopf getrieben komm meine Freundin es ist nie zu spät eine neue Welt zu suchen

 

 
   

 

 
 
die Landzunge zwischen Sava und Donau spricht von Heilungsritualen die Liebe blickt nicht zurück sie träumt vom kleinen Glück und Ineinanderfließen der Teig der Zeit wird langsam gar Zeiten und Menschen sind verwoben zu einem Teppich aus erdigen Tönen zerrissen und unsagbar schön soll ich die gerissenen Stücke geduldig aufzunehmen und wieder zusammenfügen und mir sagen dass das Ausgebesserte wieder so schön ist wie es als Ganzes mal war
     

 

 

 

     

nein was gebrochen ist ist gebrochen ich möchte mich lieber daran erinnern wie es in den besten Tagen war es ist besser geliebt und etwas verloren zu haben als überhaupt nie geliebt zu haben Liebe geht nie ganz verloren wenn sie nicht enttäuscht wird sie fließt immer wieder zurück und reinigt das Herz es wird gewogen werden und Belgrad wird wie meine Geburtsstadt sein …

 

(Text: Gerhard Multerer 2013)