"Die „Kunst der Afrikaner“ ist Selbstzweck; man trommelt, weil das Trommeln Vergnügen bereitet, weil man sich in dieser Geste findet ... Gerade dieses Sich-selbst-Erkennen in der Welt fordert jedoch den Gott heraus niederzufahren. Genau besehen, erscheint der Gott nicht im Rhythmus der Trommel, sondern in der Selbsterkenntnis, die dank der ästhetischen Geste gewonnen wurde.

Der Gott ist ein ästhetisches Phänomen, das heißt, er ist eines der Erlebnisse, die man hat, wenn man sich auslebt ... Wenn man aber das Interesse an Gott das religiöse Interesse nennt, dann muss man das religiöse Leben als eine Variante des künstlerischen ansehen ... Nur in der ästhetischen Geste kann ich religiöses Erleben haben, denn in dieser Geste erlebe ich mich selbst, das heißt, ich habe Erkenntnis"

(Vilem Flusser, Gesten, Versuch einer Phänomenologie,)

  How to make a drum in Africa (1997)      
 

"Das magische Weltbild findet sich bei allen "Natursichtigen", das mystische bei allen Religiösen und das mechanische bei allen Rationalisten.

Bei den "Natursichtigen" herrscht die Beschwörung, bei den Religiösen die Versenkung (Meditation), bei den Rationalisten die Beobachtung. ... Der erste glaubt an Geister, der zweite an Gott, der dritte an das Gehirn. ...

Das magische Weltbild belebt den ganzen Kosmos, das mystische beseelt, das mechanische konstruiert ihn."

(Kurt Aram: Magie und Zauberei in der Alten Welt, Wiesbaden 1998, S. 10)